Handelsunterbrechungen - Volatilitätsunterbrechungen

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Handelsunterbrechungen

Um die Marktteilnehmer und den Marktmechanismus im Allgemeinen vor kurzfristigen Übertreibungen oder fehlerhaften und ungewollten Transaktionen zu schützen gibt es seitens der Börsen (Kassa und Futures) Schutzmechnismen zum aussetzen des laufenden Handels. Je nach Börsenbetreiber können diese varieren und sind in den jeweiligen Statuten festgelegt. Das klassische Beispiel für das erzeugen einer Handelsunterbrechung kann ein institutioneller Händler sein, der aufgrund einer falschen Eingabe oder eines Kommafehlers eine größere Order als beabsichtigt in den Markt einbringt und so eine Kettenreaktion und damit eine extreme Kursschwankung auslöst. Werden die festgelegten Parameter für Market-Orders also verlassen, unterstellt die Börse einen Fehler und gibt den Akteuren Zeit, die Situation zu bereinigen. Auch bei unerwarteten Nachrichten oder Katastrophen greifen diese Handelsunterbrechungen und sollen so übertriebenen Kursentwicklungen vorbeugen. Zudem wird die Manipulation eines Basiswerts durch diese Regularien erschwert.

10 Sekunden Handelsunterbrechung im Gold-Future an der Comex am 15.04.2014 aufgrund einer großen Market-Order
Zeitgleich wird der Handel im korrelierten Palladium-Future gestoppt

Volatilitätsunterbrechungen

Wird eine festgelegte Spanne rund um den aktuellen Kurs eines Basiswerts durch die Ausführung einer Market-Order überschritten kommt es zu einer automatischen Volatilitätsunterbrechung im fortlaufenden Handel ("market order matching range"). Im DAX-Future beträgt diese Spanne beispielswiese 10 volle Punkte. Außerhalb dieser Spanne, und damit weit weg vom aktuellen Kurs, sind die Orderbücher meist nur dünn befüllt sodass eine volatile Kursbewegung mit wenig Umsatz möglich wäre. Die Unterbrechung soll den Händlern Zeit für eine Widerbefüllung des Orderbuchs und eine faire Preisbewertung geben.

Orderverarbeitung nach Systemausfall

Nach einem Symstemausfall oder einer Handelsunterbrechung verbleiben persistente Orders im Orderbuch, wogegen nicht persistente Orders gelöscht werden - diese Varianten sind vom Marktteilnehmer frei wählbar und müssen im Voraus bei jeder Orderaufgabe festgelegt werden. Nachdem in einer "Vorhandelsphase" ein neuer, fairer Kurs ermittelt wird (Kurslücken sind möglich) wird der fortlaufende Handel wieder aufgenommen.

Problemstellung

Aufgrund fehlender, internationaler Regelungen zum Thema Handelsunterbrechungen kann es zum unterschiedlichen Umgang mit Katastrophen seitens der Börsenbetreiber kommen. So wurde beispielsweise der Handel an den US-Börsen rund um die Anschläge am 11. September 2001 ausgesetzt, der Handel an der europäischen Terminbörse EUREX lief dagegen weiter. Während US-Anleger also weder aus Positionen heraus oder in neue Positionen hinein gekommen sind (dementsprechend auch nicht ausgestoppt wurden), war der Handel in Europa hoch volatil und echten Übertreibungen ausgesetzt.

Autor: Christian Stern [1]