Futures - Terminmärkte

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Grundlagen Futures - Terminmärkte

Der Terminmarkt, oder auch Futures-Handel genannt, gilt als Königsdisziplin im Börsenhandel. Im Gegensatz zum bekannten Spot- und Kassehandel (wie zum Beispiel im Aktienhandel) erfolgt sowohl die Erfüllung, die Lieferung und auch die Bezahlung des gehandelten Basiswert erst in der Zukunft - man spricht von "Terminwetten".

Zunächst einmal, was ist überhaupt ein Future?

Definition: Der Future ist eine freie, gegenseitig bindende rechtsgültige Vereinbarung zwischen zwei Vertragsparteien mit den folgenden, börslich festgelegten Anforderungen:

Qualitativ definierter Vertragsgegenstand (Underlying) Quantität (Menge, Wert, Einheit) Liefertermin in der Zukunft (physisch oder Bar-/Wertausgleich) Preis zum Liefertermin Lieferort

Terminbörsen

Beim Handel an einer Terminbörse werden schon heute Verträge über ein Termingeschäft abgeschlossen, welches erst in der Zukunft abgewickelt wird. Es werden also Geschäfte abgeschlossen, deren eigene Preisentwicklung auf die zukünftige Entwicklung eines Basiswerts spekulieren. Zu einem bestimmten Verfallstermin werden diese Spekulationen letztmalig abgerechnet – wir sprechen von einer sogenannten „Terminwette“.

Große und bekannte Terminbörsen sind: EUREX (deutsch-schweizerisch, Bsp. DAX-Future), CME (Chicago Mercantile Exchange) inkl. CBoT (Chicago Board of Trade) und LIFFE (London Intern. Financial Futures Exchange), KOREA Exchange und weitere regionale, spezialisierte Terminbörsen. In Leipzig sitzt zudem die Strombörse EEX.

An einer solchen Terminbörse wird der virtuelle Handel mit Futures konzentriert. Dies hat eine ganze Reihe von Vorteilen für die Marktteilnehmer. So entsteht durch das Zusammentreffen einer Masse von Akteuren eine hohe Liquidität unter effizienten Kosten. Zudem garantiert die unabhängige Börse als "Clearer" eine transpartente, faire Preisbildung, Schutz vor Manipulation und eine Reihe an "Not-Aus-Systemen" wie zum Beispiel einer Volatilitätsunterbrechung im Falle einer Katastrophe. Die einzelnen Kontrakte (Basiswerte) werden dabei im Gegensatz zum Derivatemarkt direkt von der Börse emittiert.

Als Nachteile von Terminbörsen gilt eine zum Teil beschränkte Handelszeit und Beschränkungen im Marktzugang vor allem durch private und kleine Marktteilnehmer durch "teure" Kontrakte.

Preisbildung

Vergleichen Sie dazu auch den Beitrag "Preisbildung im Börsenhandel". In der Regel entwickelt sich der Kurs eines Futures aufgrund einer effizienten Arbitrage synchron zum Kassa- oder Spotmarkt. Der Terminpreis spiegelt die Erwartung der Marktteilnehmer für den zugrundeliegenden Markt unter normalen Bedingungen wieder. Index-Futures, also Terminkontrakte basierend auf einen Korb aus Aktien, werden über einen Barausgleich abgewickelt ("cash-settlement"), es erfolgt also keine physische Lieferung der Aktien. Meist spiegelt die preisliche Abweichung zwischen Kassa-Index und Future lediglich die Kosten der Arbitrage wieder. Zudem wird die Differenz mit abweichender Restlaufzeit des Futures immer geringer.

Marktteilnehmer im Futures-Handel

Im originären Sinne des Marktes gibt es sogenannte "Hedger" - diese sichern (reale) Geschäfte am Terminmarkt ab, um sich so gegen Preis- oder Währungsschwankungen abzusichern. Einen Großteil der Marktakteure bilden jedoch die Spekulanten. Eine dritten Gruppe stellen die Arbitrageure, welche die Nähe zu den Kassa- und Spotmärkten effizient herstellen. Im Vergleich zu den klassichen Aktienmärkten fehlen im Bereich der in ihrer Lebensdauer befristeten Futures Anleger und Investoren.

Handelszeiten

Es gibt sowohl beschränkte Handelszeiten wie zum Beispiel an der EUREX von 8 – 22 Uhr CET, als auch durchlaufende Futures (zum Beispiel DJIA und S&P). Letztere gelten als richtungsweisend für den weltweiten Kapitalmarkt und werden durch die ganze Handelswoche hinweg taxiert. Der fortlaufende Handel wird zu festen Zeiten durch Auktionen, sogenannte "Settlements", unterbrochen.

Marktzugang

Der Marktzugang zu Terminbörsen ist für private Marktteilnehmer nur über Broker möglich. Zudem gelten Mindesteinlagen auf Handelskonten und bestimmte Sicherheitsleistungen (Margin) für offene und zu eröffnende Positionen sind zu erbringen - dies variert je nach Anbieter.

Kontraktspezifikationen

Es gibt zwei Arten von Futures-Kontrakte: Financial Futures (Indizes, Renten, Devisen)und Commodity Futures (Rohstoffe). Diese unterliegen börslich festgelegten Spezifikationen. Der Kurs (Preis) bildet sich aus Angebot und Nachfrage am Terminmarkt. Da ein Termingeschäft in der Zukunft stattfindet fallen Bestandhaltungskosten an (Zinsen, Versicherung, Lagerung). Die Wertentwicklung eines Futures (Kassapreis + Bestandhaltungskosten) gleicht sich zum Liefer-/Verfallstermin hin dem Wert des Basiswerts an. Futures werden unter standarisierten Kenngrößen (Tickgröße, Kontraktwert, Hebel usw.) gehandelt.

Hochliquide und volumenstarke Kontrakte sind zum Beispiel: Eurodollar (CME), S&P 500 Futures (CME), FX-Futures (CME), T-Bonds (CBOT), T-Notes (CBOT), DAX-Futures (EUREX), BUND-Futures (EUREX), FSMI (EUREX), und FESX (EUREX).

Abrechnung und Verfall von Index-Futures

Auf einen Korb aus Aktien basierende Futures werden immer durch einen Barausgleich abgerechnet ("cash-settlement"). Es erfolgt also keine physische Lieferung der zugrundeliegenden Aktien.

Zusammensetzung von Kontrakten - Kontinuierliche Futures - Adjustierte Kontrakte

Da Futures eine begrenzte Lebensdauer haben, ist es für eine längerfristige Preisbetrachtung notwendig, verschiedene Kontrakte aneinanderzureihen ("continious futures"). Dabei entstehen jedoch künstliche Kurslücken aufgrund verschiedener Kurse je Kontrakt - die Notierungen variieren im originären Sinne aufgrund der unterschiedlichen Liefertermine (Bestandhaltungskosten etc.). Eine Alternative zur Betrachtung der Futures-Kurse kann der Kassa- oder Spotmarkt sein. Dieser ist jedoch nicht für alle börsengehandelten Produkte existent (Beispiel Bund-Future) sodass wir zum Teil nicht auf das Zusammensetzen verschiedener Kontrakte mit unterschiedlichen Verfallsterminen verzichten können. Hierbei gibt es verschiedene Varianten. Das einfache Aneinanderreihen der Kontrakte nach dem jeweiligen Verfall nennt man "spot-month"-Verfahren - hierbei entstehen jedoch die unbeliebten Kurslücken (Gaps). In einem weiteren Verfahren wird der Kontraktwechsel vollzogen, wenn das Handelsvolumen im Folgekontrakt größer dem aktuellen Frontkontrakt wird ("rolling on volume/open interest") - doch auch hier entstehen noch immer Kurslücken (Gaps). Einzig im adjustierten Kontrakt wird der Kursverlauf beim Rollen durch die dadurch entstandene Kurslücke bereinigt, sodass eine fortlaufende und lückenlose Betrachtung der Future-Kurse über einen längeren Zeitraum möglich wird ("back-adjusted"). Erfragen Sie im Einzelfall bei ihrem Broker/Datenlieferanten wie genau und nach welchem Verfahren bereinigt wird.

Kritik am Futureshandel und den Terminbörsen

Weniger als drei Prozent (Schätzung) aller Terminkontrakte werden durch einen Realtausch erfüllt. Kritiker werfen dem Terminhandel einen viel zu hohen Spekulationsanteil vor und stellen die Existenzgrundlage für die Realwirtschaft gänzlich in Frage. Durch den hohen Anteil an Spekulationen steigt der Einfluss auf die Preisbildung an den zugrundeliegenden Märkte, zum Beispiel für Grundnahrungsmittel. Blasenbildungen und Übertreibungen sind möglich.

Autor: Christian Stern [1]