Diversifikation - Glücksspiel oder Handel mit System(en)

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Diversifikation - Risiken minimieren, Chancen maximieren, das Trading beruhigen

Nicht umsonst erhielt Markowitz schon im Jahre 1990 einen Nobelpreis für seine Arbeit über die Diversifikation. Im Bezug auf Finanzmathematik und Börse steht der Begriff für die Streuung von Kapital oder Anlagen in verschiedene Basiswerte oder Strategien. Mit Hilfe dieser Verteilung kann das allgemeinte Risiko minimiert und die Chancen auf Nachhaltigkeit und Profitabilität deutlich erhöht werden. Mit diesen Eigenschaft gehört das Thema Diversifikation zu den Grundlagen erfolgreicher, fortgeschrittener Marktakteure.

Dennoch behandeln diese Grundlage gerade kleinere, private Trader regelrecht stiefmütterlich. Zum einen aufgrund mangelnder Kapitaldecke, zum anderen aber auch, weil das Thema als eher "trocken" und "theoretisch" empfunden wird und damit wenig Popularität in der Literatur oder anderen Medien genießt. Als einfaches Beispiel können hier die in der Öffentlichkeit betrachteten und diskutierten Basiswerte gelten. So wird ständig und überall über den deutschen Leitindex DAX und das Major-Währungspaar EUR/USD berichtet, analysiert und schließlich auch gehandelt, wo doch diese Märkte für private Marktteilnehmer wenig geeiget scheinen.

Ein theoretisches Experiment zur Funktionsweise und dem praktischen Nutzen der Diversifikation

Bevor wir reale, von uns gehandelte, Strategien untersuchen wollen beginnen wir zum Verständnis mit einem Experiment aus der Theorie. Dabei stellen wir zunächst drei einfache Kennzahlen für fiktive Handelssysteme auf: Trefferquote von 50 Prozent, durchschnittlichen Gewinn von 13 Euro und durchschnittlichen Verlust von 10 Euro pro Transaktion. Die Einlage zum Start beträgt 250 Euro.

Nun betrachten wir die möglichen Kontoverläufe während eines Handelsjahres (rund 250 Tage und einem Trade pro Tag). Am Ende eines Börsentages haben wir also entweder 13 Euro hinzugewonnen, oder 10 Euro verloren. Ob wir einen Gewinn oder Verlust verzeichnen entscheidet schlicht und einfach der Würfel.

Wir sehen also zehn Würfelpartien, alle mit anderem Ausgang für unser fiktives Depot. Obwohl wir so nur eine Strategie traden, kann das Ergebnis in Euro am Ende eines Jahres immer unterschiedlich ausfallen. Zwischenzeitlich sind wir sogar mit einigen wenigen Strategien ins Minus gelaufen und am Jahresende variieren die Kontostände zwischen 450 Euro und 900 Euro. Obwohl die Kennzahlen für Trefferquote, durchschnittlichen Gewinn und durchschnittlichen Verlust, immer die gleichen waren.

Zwischenfazit: Selbst mit an sich guten Parametern kann das Handelsergebnis schwer vorhersehbar und schwankungsintensiv sein - dies ist nicht im Sinne eines professionellen Händlers.

Der "Schlüssel" zum Erfolg: Diversifikation

Ziel muss es also sein, das wahrscheinliche Jahresendergebnis bereits im Voraus genauer bestimmen zu können. Dazu wäre es notwendig, unsere Strategie mit den gleichen Kennzahlen auf verschiedene Basiswerte und Märkte anzuwenden (Aktien, Indizes, Währungen, Gold usw.). Wenn wir zehn dieser Underlyings auswählen, können wir unser einzelnes Risiko pro Position nun mit dem Faktor 1/10 eingehen, verglichen mit dem einzelnen System aus der obigen Annahme. In der Folge beträgt unser tägliches Risiko weiterhin nur 10 Euro am Tag. Das neue Ergebnis dieses diversifikativen Handelssystems zeigt nun die dicke, rote Linie in der Grafik oben. Schnell wird klar, wie "entspannt" das Handeln nun ist, da wir eine nahezu lineare Equity, ohne erwähnenswerte Verluststrecken, erhalten.

Zitat Dr. Stefan Friedrichowski, Wissenschaftlicher Leiter Trading Stars.de: "Der Börsianer nennt das Diversifikation, der Naturwissenschaftler schlicht „das Eins durch Wurzel-N Gesetz“."

Zwischenfazit: Die Verteilung des gesamten Risikos auf zehn einzelne Systeme mit genau den gleichen Kennzahlen minimiert die Schwankung der Kapitalkurse um den Faktor 3,16 (Wurzel aus der Zahl Zehn).

Was in der Theorie gut klingt, findet in der Praxis Anwendung

Und nun von der Theorie in die Praxis unserer real gehandelten Strategien. Können wir die Kapitalentwicklung durch die Kombination verschiedener Basiswerte tatsächlich derart positiv beeinflussen? Dazu zunächst der Blick auf die Kennzahlen von neun echten Setups für den Zeitraum vom 01.01.2010 bis 31.13.2013.

Abb. 2

Erklärung zur Angabe in "R": "1R" entspricht dem riskierten Euro-Betrag pro Transaktion. "Summe_R" bezeichnet den Gewinn, "GV_Tag_R" den Gewinn pro Kalendertag in "R" und "Max_DrawDown_R" zeigt die größte Verluststrecke innerhalb des betrachteten Zeitraumes an.

Auch hier sind die Ergebnisse der Setups unterschiedlich gut. Während die beste Strategie 129R gewinnt, bleiben bei der schlechtesten nur rund 20R übrig - jedoch war hier der zwischenzeitliche Verlust angenehm klein.

Abb. 3

In dieser Grafik sind nun die Kontoentwicklungen der neun Strategien dargestellt. Dabei fallen zwei besonders gute Systeme (3 und 7) auf. Im Rückblick könnte man also meinen, dass es sicher am besser gewesen wäre, nur diese zu handeln - wie Sie weiter lesen können, ist dem nicht so.

Warum ist es nun besser alle Strategien zu handeln, und nicht nur die besten?

Wir behaupten dennoch, dass es besser ist, alle neun Strategien gleichzeitig zu handeln, obwohl wir doch scheinbar bessere Setups erkennen können. Warum? Blicken wir dazu wieder auf die dicke, rote Linie in Abbildung drei, welche die gemischte Equity aller Systeme darstellt. Das eingegangene Risiko wird hier mit dem Faktor Neun reduziert, verglichen mit nur einer Strategie. Zwar ist der in Summe erwirtschaftete Ertrag auch "nur" halb so groß wie vorher, der maximale Verlust in der Zwischenzeit ist jedoch um das Sechsfache kleiner - Vergleichen mit dem besten Einzelsystem!

Fazit: Diversifikation ist ein Muss für professionelles Vorgehen

Wir persönlich suchen Handelssysteme, deren Kontoverlauf einer mathematischen Linearen ähnelt und damit ein schwankungsarme Kontoentwicklung ermöglicht - dies ist vor Allem aus der psychologischen Sichtweise ein großer Vorteil im Trading. Zudem ergeben sich weitere Optimierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Gewichtung verschiedener Setups – es sollte aber auch nicht zu komplex werden. Die Kombination verschiedener Handelssysteme kann ein wichtiger Baustein für nachhaltigen Erfolg an der Börse sein: Gewinne lassen sich auf Dauer maximieren und Verluste und Verluststrecken reduzieren.

Autor: Christian Stern [1]